Bestellerprinzip – Fluch oder Segen?

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Immer wenn man als Mieter umziehen, als Vermieter vermieten, als Investor kaufen oder als Immobilienbesitzer verkaufen wollte: Man musste sich ggf. mit einem Makler auseinander setzen und evt. eine Provision zahlen. Hier wird es eine folgenreiche Änderung geben: Das Bestellerprinzip soll per Gesetz kommen. Was heißt das aber jetzt genau?

Wie es bisher lief:

Schauen wir uns aber zunächst an wie erst bisher lief. Bis heute war es in der Regel soso, dass wenn ein Vermieter sein Eigentum neu vermieten wollte, er einfach zu einem Makler gehen konnte und dieser einen Mieter gesucht hat. Die fällige Maklergebühren, müsste aber nicht der Auftraggeber, also der Vermieter zahlen, sondern der Mieter!

Ein gut funktionierendes Geschäftsmodell der Makler, da der Vermieter praktisch keine Arbeit hat und außerdem keine Kosten und es ihm so sehr einfach gemacht wurde. Dementsprechend nahmen auch viele Vermieter die Leistungen eines Maklers in Anspruch. Eine Win-Win-Situation für beide Parteien. Der leidtragende war der Mieter! Er mussten die Maklergebühren zahlen für eine Leistung,  die eigentlich nur dem Vermieter nutzte. Die einzige Leistung für den Mieter war in der Regel die Wohnungsbesichtigung, die selten länger als eine Stunde dauert. Durch die Wohnungsmarktsituation in den Ballungsgebieten war der Mieter fast gezwungen eine Wohnung mit Makler zu nehmen, da er sonst kaum eine Chance hatte eine andere Wohnung zu bekommen. Denn zu vermietende Wohnungen ohne Makler waren rar gesät.

Das gleiche gilt natürlich auch für Käufer einer Immobilie. Auch hier musste immer der Käufer die Maklerprovision zahlen.

Das Bestellerprinzip:

Das soll sich mit dem Bestellerprinzip nun ändern. Der Gesetzgeber zwingt nun die Makler, dass er seine Gebühren noch von dem verlangen kann, der ihm in schriftlicher Form einen Suchauftrag aufgegeben hat. Das bedeutet wenn der Vermieter den Makler beauftragt, einen Mieter zu finden, muss der Vermieter auch die fälligen Gebühren bezahlen.

Der Kauf und Verkauf von Immobilien ist von dem Gesetz ausgeschlossen. Hier können Makler weiterhin bestimmen, wer die Gebühren zu zahlen hat.

Über den Gesetzentwurf soll der Bundesrat voraussichtlich am 27.03.2015 abstimmen. Das Gesetz soll dann ab dem 01.06.2015 in Kraft treten. Das heißt zurzeit gilt das Gesetz noch nicht und Makler können die Provision weiterhin vom Mieter verlangen.

Makler und Immobilienverbände  protestieren gegen das Gesetz, denn sie furchten große Einbüßen bei ihren Umsätzen. Außerdem argumentieren sie, dass das Gesetz ein Eingriff in die Berufsfreiheit ist. Dies ist natürlich richtig und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Rechtsstreitigkeiten führen.

Positiv: Mieter werden entlastet

Klar ist, dass ein Vermieter sich jetzt natürlich überlegen wird, ob er einen Makler für mehrere hundert Euro beauftragen wird oder er sich selber einen Mieter sucht. Durch Portale wie Immobilienscout ist es ja ein leichtes für Vermieter mit potenziellen Mietern in Kontakt zu treten.

Für Mieter ist das Gesetz natürlich ein Segen, denn sie werden finanziell entlastetet. Und auch bei den Maklern wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Ein gutes Leistungs- und Serviceangebot eines Maklers wird sich weiterhin behaupten und wird weiterhin seine Kunden finden.

 

Ich persönlich finde das Gesetz eine gute Sache. Es ist nur fair, dass derjenige für eine Leistung bezahlt, der sie auch den größten Nutzen aus ihr bezieht. Meiner Meinung nach, schon lange überfällig.

 

Was haltet ihr von dem Bestellerprinzip?

 


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7 Kommentare

  1. wirtschaftswaise

    Letzte Woche musste ich ein Stündchen im Wartezimmer eines Arztes verbringen und las dort einen längeren Artikel im FOCUS zum Thema Miet-Irrsinn in Berlin und München („Wohnsinn“ – haha).

    Die bei nüchterner Betrachtung seltsame Situation der bisherigen Gesetzeslage wurde auch dort geschildert. Das Fazit war aber ernüchternd. Es dürfte sich nicht allzuviel ändern, denn der Wohungsmarkt ist einfach ein sehr starker Verkäufermarkt momentan. Vermieter und Makler werden sich in den meisten Fällen auf einen simplen Trick einigen:

    Der Vermieter haut etwas auf die Miete drauf und gibt davon einen Betrag an den Makler ab. Die Mieter – gerade in Top-Lagen – werden weiter gemolken.

    Aber wie sage ich immer?
    „Es gibt kein Menschenrecht darauf, in einer 150qm Wohnung mit Blick auf’s Brandenburger Tor für 900 € warm zu wohnen!“

    Antworten
    1. Sparfuchs (Beitrag Autor)

      Gut in sehr guten Lagen wird das evt. zu treffen. Allerdings hat man als Mieter auch immer eine Wahl. Dieses System funktioniert nur so lange wie der Mieter bereit ist auch den geforderten Preis zu zahlen. Hier wirkt das einfache wirtschafts Gesetz: Angebot- und Nachfrage regelt den Preis 🙂

      Antworten
  2. Chris

    Als Vermieter (aber „leider“ nicht in einer Top-Lage wo ich schon einen Makler bräuchte) kann mir das doch eh relativ egal sein – wirds halt später einfach als Werbungskosten geltend gemacht 😉
    Genauso kann man ja auch Kosten für Anzeigen oder Immoportale absetzen. So ein Mietshaus ist schon was feines ^^

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    1. Sparfuchs (Beitrag Autor)

      Hi Chris, nun ja bei der Steuer kann man die Kosten sicherlich geltend machen. Dennoch würde ich mir überlegen, ob ich einen Makler für 2,38 Monatskaltmieten bezahle um mir einen Mieter zu besorgen oder ob ich für unter 100€ und ein wenig Zeitaufwand mir selber einen Mieter suche. Je höher die Kaltmiete umso unattraktiver wird für mich der Makler.

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  3. Thomas

    Letztendlich ist es wichtig, dass sich eine Regelung getroffen wurden und die Kosten nicht immer nur zu Lasen des Mieters gehen.

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  4. Anita

    In unserer vorletzten Wohnung hatte ich den Eindruck, dass der Wohnungsverwalter und die Maklerin eine Übereinkunft hatten. Er hatte garkein Interesse daran, die Wohnung ohne Makler zu vermieten.
    Der Wohnungseigentümer war weit weg und der Verwalter konnte problemlos seiner Gspusi Aufträge zuschachern.

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    1. Sparfuchs (Beitrag Autor)

      Das Problem verstehe ich. Einige Eigentümer überlassen die Vermietung ihrer Immobilie dem Verwalter. Dafür müssen Sie natürlich dann die entsprechenden Kosten tragen.

      Ich finde als Eigentümer muss bzw. sollte man auch ein wenig Verantwortung zeigen und sich um gewisse Dinge selber kümmern. Da hat das Bestellerprinzip leider wenig einfluss drauf.

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